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Mir ist es wichtig vielen Menschen von Asexualität zu erzählen und mögliche Vorurteile und Unklarheiten zu beseitigen.
Für Fragen und (konstruktive) Kritik bin ich jederzeit offen!
Danke fürs Lesen :)
Klara

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Wann?

Nachdem ich vor kurzem einen Artikel darüber gelesen habe, dass wir (dringend) bessere asexuelle Charaktere in Serien und Filmen brauchen (Artikel-Link). Habe ich die darin empfohlene Serie Riverdale angefangen.
Laut dem Artikel gibt es in der Comic-Vorlage zur Serie einen offen asexuellen und a- bzw. Demiromantischen Charakter.

Zu Beginn der Serie wirkt der Charakter auch sehr aroace (=Kurzform von aromantisch + asexuell), doch leider  ändert sich das gegen Ende der 1.Staffel.
Dass er demiromantisch (und auch demisexuell) ist, kann man zwar noch nicht ausschließen - zum Glück!! - aber asexuell ist für mich leider keine Möglichkeit mehr.

Ich habe daraufhin einer Freundin geschrieben, die auch Riverdale schaut und ihr meine Enttäuschung geschildert. Außerdem wurde dieses Thema auch gestern auf einer aroace-Facebookseite diskutiert.. Sowohl meine Freundin, als auch Leute auf der Facebookseite haben versucht mich mit dem Argument "Demisexuell ist noch nicht ausgeschlossen" aufzuheitern, aber leider hilft mir das nur wenig.
Nach einem Alien, einem Vampir, zwei Soziopathen und einem Zeichentrickcharakter (Doctor Who, Shadowhunters, Sherlock & Big Bang Theory, Bojack Horseman) wäre Jughead aus "Riverdale" die erste Chance gewesen, einen menschlichen (zwar auch psychisch nicht komplett gesunden, aber nah genug dran) offen asexuellen & aromantischen Charakter zu haben mit dem ich mich (zumindest was den sexuellen Teil angeht) identifizieren kann.
Cole Sprouse, der Jughead in der Serie verkörpert, war von Anfang an dafür, den Charakter so wie in den Comics darzustellen. Anscheinend hatte er deswegen sogar Gespräche mit den Produzenten. Aber leider hat man nicht auf ihn gehört. Bisher - wie er sagt - aber später ist es für mich nur noch eine Art Schadensbegrenzung.

Diese Woche ist "Asexual Awareness Week" - also eine Woche die dazu da ist, mehr Aufmerksamkeit für meine sexuelle Orientierung zu schaffen.
Und ich fand das ist genau der richtige Zeitpunkt für diesen Eintrag.

Als jemand, der in der Medienbranche arbeitet, bin ich ziemlich enttäuscht davon, wie meine Sexualität einfach  übersehen oder ignoriert wird. Im besten Fall werden wir von "Freaks" repräsentiert, unsere Sexualität ist Folge einer Krankheit und kann ZUM GLÜCK geheilt werden (danke, Dr. House) oder enden als dummer Witz einer Comedyserie.
Ich freue mich wirklich auf den Tag, an dem ein menschlicher Charakter, der Freunde und sein Leben mehr oder weniger im Griff hat, das Wort "asexuell" verwendet, um sich bei jemandem zu outen. Damit das passiert müssen wir allerdings noch viel mehr Aufmerksamkeit bekommen!

Aber ich bin hoffnungsvoll dass wir das schaffen!
...nur wann?

Edit: nachdem ich heut noch mehr darüber nachgedacht habe und auf Charaktere hingewiesen wurde, die als asexuell gesehen werden können, möchte ich folgendes noch hinzufügen:
Ich denke, es gibt bereits (menschliche) asexuelle Charaktere in Filmen und Serien. Nur, solange die Menschen nicht offen darüber reden, dass sie keine sexuelle Anziehung spüren, kann man sich dessen nicht sicher sein.
Und am allerbesten wäre es natürlich, wenn endlich mal Charaktere damit anfangen würden das Wort "ASEXUELL" zu verwenden. Ansonsten können sie nämlich immer noch missverstanden werden.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Coming Out Tipps

Morgen ist der Internationale Coming Out Tag :) 
Das heißt es jährt sich zum ersten mal mein öffentliches Coming Out auf Facebook und der Beginn dieses Blogs.
Ich dachte mir zur Feier dieses tollen Tages könnte ich Coming Out Tipps geben. Für ein Outing gibt es leider keine klaren Richtlinien, an die man sich halten kann, und die einem versprechen, dass alles gut wird. Aber ich habe jetzt fast 1,5 Jahre Outing-Erfahrung und habe dadurch gelernt, was dabei helfen kann und worauf man vorbereitet sein sollte.
1.) Sei dir bewusst, als was du dich selbst siehst bzw. Wie du von anderen bezeichnet/gesehen werden möchtest. Also, bei mir wäre das "asexuell, also spüre ich keine sexuelle Anziehung; heteroromantisch, also fühle ich mich (manchen) Männern gegenüber trotzdem romantisch angezogen"
Wenn du noch nicht genau weißt welches "Label" zutrifft, (ob du beispielsweise demi- oder auch asexuell.. Vielleicht auch "nur" schüchterne/r Homosexuelle/r oder irgendwas anderes sein willst) oder du von den ganzen Orientierungen die es mitlerweile gibt  überfordert und verwirrt bist, dann kannst du dich natürlich auch schon outen. Nur stelle ich es mir dann etwas schwieriger vor und ich rate dir, dann nicht bei den konservativen Großeltern, sondern eher bei einem guten Freund anzufangen.
2.) Überlege dir (besonders für das erste Outing), was du sagen möchtest und am besten auch wie.
Du musst kein "Drehbuch" im Kopf haben an das du dich hälst, aber ich fand es hilfreich - vor allem beim Outing meiner Familie gegenüber - eine Checkliste im Kopf zu haben, die ich durchgegangen bin.
3.) Sei vorbereitet auf viele (unangenehme) Fragen.. Ich wurde zum Beispiel mehr als einmal gefragt, ob das jetzt bedeutet dass ich Jungfrau bin. :S und auch wie genau ich dann eigentlich meine zukünftigen Kinder bekomme, von denen ich öfter mal rede...
Viele Fragen waren auch einfach wichtig, damit mein Gegenüber das alles verstanden hat, aber nicht alle waren leicht zu beantworten! Sei also vorbereitet auf alles, aber antworte nur darauf wenn es dir nicht zu unangenehm ist! Keiner hat das "Recht" alles zu wissen, nur weil du deine romantische/sexuelle Orientierung geteilt hast.
4.) Sei vorbereitet darauf, dass dein Gegenüber deine Orientierung nicht nachvollziehen/verstehen kann. Ich hatte Menschen, die mir nahe stehen, die eine Weile gebraucht haben um zu akzeptieren, dass ich asexuell bin. Auch welche, die ihre Zweifel daran hatten, dass es sowas gibt.
5.) dies gilt besonders für Asexuelle, aber kommt sicher auch bei anderen Orientierungen vor: sei bereit für dumme "beim richtigen Mann/bei der richtigen Frau wirst du dann sicher anders denken!"-Kommentare.
Egal ob du 12 bist, 25 oder 60 - wenn du findest, eine Orientierung beschreibt dich, dann nimm sie an! Und wenn dann doch einmal eine Person kommt, für die du plötzlich Dinge empfindest, die du nicht für möglich gefunden hast, dann ist das eben so! Aber dann heißt das nicht, dass deine Orientierung (bis zu dem Zeitpunkt) nicht trotzdem wichtig und wahr war!
6.) Pass auf dich auf! Sei beispielsweise vorsichtig, falls dein Gegenüber homophob oder ähnliches ist.
Es gibt leider viel zu viele Geschichten von Asexuellen, die nach ihrem Outing in einer Beziehung von einem Partner zu Sex gezwungen wurden - nach dem Motto "was sagst du da - du findest mich sexuell nicht anziehend?!"
Und eben wenn man sich bei extrem homophoben Eltern als homo-irgendwas outet, kann das auch sehr böse enden.
Also wenn du begründete Ängste hast, dass dein Outing zu psychischer oder physischer Gewalt führen könnte, pass lieber auf dich auf!
Und noch ein Bonus-Tipp für Asexuelle: auf der AVEN-Seite gibt's tolle Beiträge, die beim Outing helfen. Ich habe damals meiner Familie folgende Seiten ausgedruckt, damit sie sich nach meinem Outing genauer informieren können und ich fand das sehr hilfreich:
Ich wünsche euch einen wunderschönen Internationalen Coming Out Tag!! :)
Und ganz viel Liebe und Verständnis von euren Mitmenschen für all eure Outings! 

Montag, 18. September 2017

DEMI-sexuell/-romantisch/...

Heute gibt's wieder mal einen (hoffentlich) sehr informativen Blogeintrag von mir :)

Ich denke in letzter Zeit viel über Demisexualität nach und bevor ich diese Orientierung in meinem Blog anspreche, ohne euch zuerst eine gute Erklärung dazu zu liefern, mach ich das lieber jetzt ausführlich.
Vorschlag für eine Pride-Flagge für Demisexuelle
Die Flagge der Demisexuellen - sie enthält die selben Farben wie die Asexuellenflagge, die Farben sind allerdings hier anders angeordnet

Zuerst muss ich euch allerdings mitteilen, dass ich keine eigene Erfahrung mit Demisexualität habe (ich sehe mich selbst weiterhin als durch und durch asexuell) und ich deshalb nur weitergeben kann, was ich gelesen oder auf YouTube gesehen habe.

Asexualität ist wie gesagt ein Spektrum und Demisexualität ist ein Teil davon. Manche Demisexuelle nennen sich manchmal auch "Grey-Ace" (=Grau/Grauzonen-asexuell), das heißt allerdings nicht, dass alle Grey-Aces demisexuell sind. Das ganze ist wirklich schwierig zu verstehen und noch schwieriger zu erklären.
Das Wort "Demi" kann man aus dem Lateinischen ableiten, oder auch aus dem alten Französisch oder Englisch - es wird entweder als "halbiert" oder "halb" übersetzt, in manchen Quellen auch als "mittig".

Als Demisexuell bezeichnen sich Menschen, die erst sexuelle Anziehung spüren, wenn sie eine starke emotionale Bindung zu einer Person haben. Dies kann eine romantische Bindung/Beziehung, aber auch eine Freundschaft sein.
Ich habe schon von Demisexuellen gelesen, die zwar in manchen romantischen Beziehungen plötzlich sexuelle Anziehung gespürt haben, in anderen aber wieder nicht. Also sollte man als Sexueller in einer Beziehung mit einer demisexuellen Person nicht unbedingt darauf hoffen, dass sein Partner noch "sexuell wird". Denn dies ist nicht immer der Fall und Demisexuelle haben es nicht in der Hand, ob sie ihrem Partner gegenüber sexuelle Anziehung empfinden oder nicht.

Ich selbst habe über Demisexualität schon einige Jahre früher Artikel gelesen als über Asexualität und habe eine Zeit lang auch gedacht, ich könnte diese Orientierung als meine eigene sehen. Nur war ich dann wieder unsicher, als ich mich Männern emotional sehr nahe gefühlt habe und trotzdem keine sexuelle Anziehung gespürt habe. Deshalb habe ich beschlossen mich nicht als demi- und stattdessen als asexuell zu sehen. Falls ich doch einmal eine emotionale Bindung mit jemandem habe und daraus sexuelle Anziehung entsteht, kann ich mein "Label" ja immer noch ändern.

Viele Sexuelle sagen, wenn man mit ihnen über Demisexualität redet, Dinge wie:
"Ist nicht fast Jeder (bzw. jede Frau) demisexuell?" (bzw. "Ist das nicht die Norm?")
oder
"Ich schlafe ja auch nicht mit jeder Person, die mir gefällt, vielleicht bin ich dann auch demisexuell."

Diese Personen haben meiner Meinung nach nicht verstanden, was sexuelle Anziehung ist. Mir und auch den meisten Leuten auf dem Asexuellenspektrum ist sehr wohl bewusst, dass sexuelle Menschen nicht mit jeder Person schlafen die ihnen gefällt. Aber der Unterschied zwischen "euch" und "uns" ist, dass wir nie eine X-beliebige Person anschauen können und das Bedürfnis empfinden mit dieser Person Sex zu haben.

Wie ihr dem Titel dieses Beitrags entnehmen könnt, gibt es auch die Orientierung "Demiromantisch". Hier gilt das selbe, allerdings mit Liebe statt Sex - Demiromantische Menschen entwickeln erst romantische Gefühle einer Person gegenüber, wenn sie eine starke emotionale Bindung geformt haben. Einfach erklärt bedeutet das, dass sie nur eine Beziehung mit jemandem eingehen werden, wenn diese Person davor schon in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielt - beispielsweise ein guter Freund/eine gute Freundin.

Auch hier gilt: demiromantische Menschen gehören zum Spektrum der Aromantik.

Ich hoffe meine Erklärungen und Beispiele helfen euch, diese Orientierungen zu verstehen. Sollten noch offene Fragen existieren, bitte ich euch wie immer mich zu kontaktieren! :) Ich würde sehr gerne dabei helfen, mehr Verständnis für diese Orientierungen zu schaffen.

Für alle, die mehr wissen wollen und Englisch verstehen, habe ich hier noch einen Link zu einem sehr informativen Video:
Demisexuality 101


Und jetzt macht euch bitte bereit für eine Theorie, die ich vor kurzem aufgestellt habe:

In der Serie Orphan Black gibt es Charaktere mit verschiedenen sexuellen Orientierungen. Das wird zwar thematisiert, aber zum Glück nicht zu sehr in den Mittelpunkt gerückt.

Achtung:
Ich werde im folgenden Absatz leichte Spoiler verraten, aber ich finde, dass sie nicht zu schlimm sind und die Serie auch mit den Spoilern spannend bleibt. Falls du allerdings total dagegen bist, irgendwas zu wissen bevor du die Serie siehst, empfehle ich dir die 1.Staffel zu sehen und dann kannst du beruhigt wieder zu diesem Blogeintrag zurückkommen :)


Ein Hauptcharakter der Serie ist Cosima, eine homosexuelle Frau. Sie verliebt sich in der 1.Staffel in eine Frau namens Delphine. Cosima küsst Delphine, weil sie deren Verhalten als flirten interpretiert hat. Jedoch hat sich Delphine bis dahin als Heterosexuell gesehen und war auf den Kuss nicht vorbereitet. Aus verschiedenen Gründen kommt sie jedoch nach dem Kuss wieder zu Cosima und es entsteht ein Gespräch in dem Delphine folgendes sagt:
"Bisexualität war nie ein Thema. Ich meine, was mich angeht. Mir als Wissenschaftlerin ist klar, dass Sexualität ein Spektrum ist. Aber Vorbehalte der Gesellschaft, die prägen eine Ausrichtung. Ganz unabhängig von biologischen Fakten."
Anschließen haben die beiden Sex und starten eine romantische Beziehung.

Als ich die ersten beiden Staffeln zuerst gesehen habe, wusste ich noch nicht viel von den verschiedenen sexuellen (und romantischen) Orientierungen. Deshalb habe ich über Delphines "Wandel" nicht besonders viel nachgedacht. Ich habe vor kurzem die Serie noch einmal von vorne gesehen und jetzt - nach allem was ich in den letzten 1,5 Jahren gelernt habe - gibt es für mich 2 mögliche Erklärungen, wieso diese Beziehung entstanden ist:
1. Sexualität ist fließend & wandelbar. Menschen können ihre sexuelle Orientierung zwar nicht selber beeinflussen oder ändern, aber manchmal passiert es einfach. Vielleicht war Delphine ihre ganze Jugend heterosexuell und plötzlich (ungefähr in der Zeit als sie Cosima kennengelernt hat) war sie dann doch eher bisexuell.
oder
2. (meine Theorie) es gibt auch noch "Demi-Stufen" von anderen Orientierungen.
ALSO wenn jemand z.B. sein ganzes Leben heteroromantische und -sexuelle Gefühle hatte und dann (wie bei Delphine) eine starke emotionale Bindung mit einer Person des gleichen Geschlechts empfindet, aus der plötzlich sexuelle und romantische Anziehung entsteht.
Wie genial wäre es, wenn wir wirklich auch noch Demi-irgendwas ZUSÄTZLICH zu unseren anderen Orientierungen sein könnten???
Also, wenn ich asexuell, heteroromantisch UND "demi-bi-romantisch" sein könnte!
Ich finde diese Theorie jedenfalls ziemlich spannend!

Ich hoffe das macht alles irgendwie Sinn und ich habe euch nicht komplett überfordert.

Achja: und wer jetzt mit Argumenten kommen will, dass die Liebe zwischen den Charakteren nicht echt bzw. realistisch war, dem lege ich es nahe eine liebe Freundin von mir zu kontaktieren, die sich in ihrer Bachelorarbeit sehr intensiv damit befasst hat. Sie oder ihre Arbeit sind sehr überzeugend! :)

Und ja, uns ist bewusst, dass es sich um fiktionale Charaktere handelt! Aber die sexuellen Orientierungen in der Serie sind sehr wohl auch in der realen Welt vorhanden.

Dienstag, 22. August 2017

"Sex macht uns zum Menschen"

"Sex macht uns zum Menschen."
Diese Aussage hören bzw. lesen Asexuelle immer wieder von Menschen, die sich einfach nicht damit zufrieden geben können, dass manche von uns kein Bedürfnis danach haben, mit anderen Menschen Sex zu haben.
Aber uns Menschen macht doch viel mehr aus, als nur die Art wie wir uns fortpflanzen bzw. diese EINE Art Spaß zu haben, oder?!

Ich habe dazu einen tollen Text gefunden, den ich gerne mit euch teilen und für euch übersetzen möchte:

"Sex macht uns zu Menschen". Wirklich? Denn: Affen haben Sex. Schildkröten haben Sex. RANKENFUßKREBSE haben Sex.

Menschen lernen Fremdsprachen, nur weil sie es können. Menschen backen Kekse. Menschen stricken Pullover. Menschen fragen nach Erlaubnis um die Hunde anderer Menschen zu streicheln. Menschen diskutieren darüber, ob Geister echt sind. Menschen schreiben Geschichten, für die sie sich zu sehr schämen, um sie anderen zu zeigen. Menschen essen Speisen, die so scharf sind, dass sie unsere Nasen zum laufen bringen. Menschen suchen auf Google danach, welche Art von Vogel dieses Geräusch macht. Menschen bauen Pyramiden oder reisen tausende Meilen um die Pyramiden anderer Menschen anzuschauen.

"Sex macht uns zu Menschen".
Wirklich?



Montag, 7. August 2017

Die Dating-Welt stresst mich.

Viele Gedanken, viel Stress und die Motivation mal wieder einen Eintrag zu verfassen führen mich heute auf meinen Blog :)
Ich schreib einfach mal los und hoffe, dass was gutes dabei rauskommt:

Die Dating-Welt stresst mich.

Ich habe hier vor ein paar Monaten schon  über eine negative Erfahrung geschrieben. Ich hätte mir den Eintrag vielleicht noch einmal durchlesen sollen, weil es sein kann, dass sich hier jetzt einiges wiederholt. Aber egal!

Ich bin Männern gegenüber viel schüchterner geworden seit ich weiß, dass ich asexuell bin. Das ist zwar nicht schlimm und ein bisschen schüchterner zu werden ist vielleicht auch gut. ABER ich war vorher schon wählerisch und jetzt habe ich das Gefühl ich "sortiere nur noch aus".
Wenn mir ein Mann zu nahe kommt bekomm ich sofort Panik und flüchte aus der Situation. Am liebsten würde ich wohl sofort in der Mitte einer Beziehung starten - das Kennenlernen und die ersten Schwierigkeiten überspringen und mich gleich wohlfühlen.
Nur leider funktioniert das so nicht...
Und deshalb lerne ich neue Männer kennen, lasse sie etwas an mich heran und entweder verlieren dann sie die Geduld bzw. das Interesse ODER ich blocke sie plötzlich wieder ab.

Die letzten beiden Male, als ich kurz davor war mich bei jemandem zu outen und mich vielleicht auf eine Beziehung einzulassen, wurde ich plötzlich zurückgewiesen/ignoriert. Das hilft meinem Selbstbewusstsein und Mut natürlich überhaupt nicht.

Da habe ich immer das Gefühl, ich finde nie mehr jemanden der es mit mir aushält.

Und trotzdem lerne ich wieder jemanden kennen und alles fängt von vorne an: die Gedanken, wann man sich outen sollte; das ganze Gerede, dass man als Asexuelle ja keinen Sexuellen "verführen" sollte, wenn man nicht dazu bereit ist seine Bedürfnisse zu erfüllen; die Zweifel ob das trotzdem gut gehen kann;...

Viele meiner sexuellen Freunde sagen mir "wenn dich jemand wirklich liebt, ist ihm egal ob ihr Sex habt oder nicht. Es gibt so viel wichtigeres in einer Beziehung." aber  über 90% dieser Freunde sagen etwas später "also ich könnte mir ja nie eine Beziehung ohne Sex vorstellen."
Und das ist einfach Bullshit.
Ich fühle mich bei sowas oft belogen.

Und die logische Lösung dafür ist - ich weiß - einen Asexuellen zu daten.
Aber wisst ihr wie schwierig das ist?! Es sind ca. 1% der Menschen asexuell. Ein Teil davon ist aromantisch/homoromantisch, also keine Option für mich. Dann bleiben nicht mehr besonders viele übrig und dann gibt's noch dieses Problem, dass asexuelle Männer es viel schwerer haben sich zu outen, weil auf Männern ein noch größerer Druck lastet, sexuell aktiv zu sein.

Und all diese Gedanken, die in dieser "Schwafelei" hier von mir aufgeschrieben wurden, führen dazu, dass mich die Dating-Welt stresst.

Ich wünsche mir so sehr nicht mehr romantisch zu sein. Ich verfluche mein Bedürfnis nach einer Beziehung so sehr.

Ich habe heute leider keinen fröhlichen Schlusssatz für euch. Aber ich geb mir Mühe, dass ich bald wieder andere Einträge schreiben kann, die optimistischer und ausklärender sind!

In der Zwischenzeit bin ich froh um jede ehrlich gemeinte Nachricht und vl. "Erfahrungsberichten" von anderen Asexuellen.
Danke! <3

Dienstag, 4. Juli 2017

Sind wir LGBTQIA+ und/oder "queer"?

Wer mich kennt weiß, dass ich auf Facebook ziemlich aktiv bin.
Ich poste zwar nicht so oft selber, folge aber einigen Seiten und lese & like vieles.

Mir ist es wichtig, dass ich bei guten Aussagen oder Artikeln mit meinem "Gefällt mir" zeige, dass ich die Botschaft gut finde.
Eine sehr gute Freundin von mir macht mich des öfteren auf Postings aufmerksam, die meinen Interessen entsprechen. In diesen Postings geht es oft um LGBTQ+ Themen und Asexualität.

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Zuerst einmal zu den Begriffen im Titel dieses Blogeintrags:
L esbian (lesbisch)
G ay (schwul)
B i (-sexuell)
T ransgender
Q ueer
I ntersex (=Menschen die nicht klar in die Kategorien männlich/weiblich "eingeteilt" werden können)
A sexual ODER Ally (=Verbündeter)
+ (steht quasi für alle Orientierungen/Geschlechtsidentitaten die nicht mit einem der Buchstaben bereits einbezogen wurden)

Das ganze Kürzel steht für die Community, die aus Menschen besteht, die nicht hetero oder cisgendered (=das Geschlecht als das man geboren wurde und das Geschlecht mit welchem man sich identifiziert stimmen überein) sind.

Das *A* stand zuerst für "Ally", also die Verbündeten aus der 'Heterowelt' die sich für die Rechte der Community einsetzen oder auch Menschen die sich lieber als Ally bezeichnen um ihr Interesse an der Community zu erklären bevor sie sich outen wollen.

"Queer" kann z.B. mit seltsam oder sonderbar  übersetzt werden und steht im Bezug auf die LGBTQIA+ Community für das "von der Norm abweichen".
Zuerst wurde das Wort gegen Lesben und Schwule verwendet, aber irgendwann hat diese community es angenommen und zu einem positiveren Wort gemacht.

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Wer diesen Blog schon länger verfolgt oder sich mit mir offen über das Thema (A)Sexualität unterhält, weiß, dass ich diesen Begriff auch für mich selber verwende.

Umso betroffener war ich, als ich vor kurzem auf Facebook auf einer LGBTQ+ Seite einen Artikel zum Thema Asexualität gelesen hab. Der Artikel war super und hat Asexuelle dazu aufgefordert von ihren Erfahrungen zu berichten. Allerdings waren die Kommentare unter dem Artikel sehr verletztend.
"Homo-/biromantische Asexuelle sind bei uns natürlich willkommen, aber Heteros die keinen Sex wollen sind nicht queer!" war die Kernaussage vieler.

Na toll! Die Heterosexuellen wollen uns nicht ("Nein, Beziehung ohne Sex geht auf keinen Fall!"/"Das ist nicht normal!")und die Community in der wir uns wohlfühlen würden erkennt uns anscheinend auch nicht an.
Und wieder einmal ist Asexualität eine unsichtbare Orientierung und wir machen nochmal Rückschritte was die Offenheit dafür betrifft..

Vor allem: wie diskriminierend von einer Community die eigentlich dafür steht Diskriminierung von 'Randgruppen' zu beseitigen!

Ich wurde leider nicht das 1. Mal von der LGBTQ Community vor den Kopf gestoßen.
Aber es denken natürlich nicht alle so!

Ich habe auch sehr tolle Menschen aus der LGBT Community in meinem Leben oder online getroffen, die verstehen wie es ist, sich in der "Heterowelt" nicht wohlzufühlen und wissen wie wichtig es ist, eine Gruppe zu haben, in der man Bestätigung bekommt, dass die Dinge die man fühlt (oder auch nicht fühlt) nicht falsch oder schlecht sind.

Ob wir (heteroromantische) Asexuelle je ganz von der LGBTQIA+ Community als Mitglieder akzeptiert werden ist unklar. Aber ich werde sicher nicht aufhören mich als Teil davon zu sehen nur weil ein paar Menschen finden ich habe kein Recht darauf. Und die Freiheit mich selbst "queer" zu nennen werde ich mir auch nicht nehmen lassen!

Auch wenn das vielleicht bedeutet, dass ich mich in der Community noch vielen Diskussionen stellen muss.

Dienstag, 27. Juni 2017

Sexuelle Orientierung ≠ romantische Orientierung

Juni ist Pride Monat, also der Monat in dem viele LGBTQ+ Veranstaltungen stattfinden, z.B. Paraden, und allgemein wird die Individualität und der Stolz auf alle sexuellen, romantischen und Gender-Orientierungen (die von der "Norm" abweichen) jeder Person in diesem Monat mehr gefeiert als sonst.
Ich habe mir für diesen Monat viele Blogeinträge vorgenommen, aber dann kam irgendwie das Leben dazwischen.
Den wichtigsten und für mich einfachsten meiner geplanten Einträge muss ich jetzt aber loswerden bevor der Juli anfängt.
Ich möchte nämlich noch einmal betonen, dass die sexuelle und romantische Orientierung jeder Person nicht zwingend zusammenhängen!
Mir ist bewusst, dass ich das bereits in einem meiner ersten Blogeinträge klargestellt habe, aber mir ist es wichtig das nochmal genauer aufzugreifen, denn:
Vor ein paar Wochen hat sich jemand bei mir geoutet. Diese Person hatte leichte Schwierigkeiten ihre Orientierung in Worte zu fassen, weil sie irgendwie "Bi" ist und irgendwie auch nicht.
Dann habe ich erklärt, dass - im Gegensatz zum Glauben vieler - sexuelle & romantische Orientierung nicht zusammenhängen. Natürlich denkt man darüber nicht viel nach wenn man beispielsweise homosexuell und homoromantisch ist, aber für alle bei denen diese beiden Arten der Anziehung sich auf unterschiedliche Geschlechter beziehen ist das ganze anfangs oft verwirrend.
Ich dachte zuerst auch, dass ich nicht asexuell sein kann, denn immerhin bin ich in der Lage mich in Männer zu verlieben!
Ich war sehr froh als ich Blogeinträge, Artikel und Youtubevideos gefunden habe, die mir das alles erklärt haben.
Im Falle der Person mir der ich zuletzt darüber geredet habe, war es der Fall dass sie sich sowohl in Männer als auch in Frauen verlieben kann, aber nur bei einem Geschlecht sexuelle Anziehung spürt.
Was das andere Geschlecht angeht ist diese Person - einfach ausgedrückt - asexuell.
Aber zu sagen "ich bin biromantisch, homo-/heterosexuell und asexuell wenns um [Geschlecht] geht" ist eben kompliziert und bringt vermutlich sehr viel Erklärungsbedarf mit sich.
Ich wünsche mir für alle, deren romantische und sexuelle Orientierung nicht übereinstimmen, dass die Gesellschaft offener wird, was das Verständnis für solche Dinge angeht.
Für alle von euch, deren Orientierungen sich nicht von einander unterschieden, habe ich ein Beispiel wie ihr euch das vorstellen könnt:
(Wie gut das Beispiel ist kann ich nichr beurteilen, ich finde es macht Sinn :P)
Wenn du z.B. eine Mann bist und schwul, dann gibt es vielleicht trotzdem Frauen, die du attraktiv findest. Du willst mit diesen Frauen weder eine romantische Beziehung, noch Sex, aber du kannst sie anschauen und sagen "Ja, die sieht gut aus."
Du findest sie ästhetisch anziehend/attraktiv, aber nicht romantisch oder sexuell.
Dein Empfinden welche/s Geschlecht/er du gutaussehend finden kannst unterscheidet sich also von deiner sexuellen Orientierung.
Ich persönlich denke, dass viel mehr Menschen unterschiedliche Orientierungen haben würden, wenn sie wüssten dass das möglich ist. Also hoffentlich wird die Welt immer offener dafür!
Und jetzt wünsch ich allen 'Queers' noch einen schönen restlichen Pride Monat! <3