Donnerstag, 25. Mai 2017

Ein Aufruf

Heute vor genau einem Jahr habe ich mich das erste Mal mit Asexualität auseinandergesetzt. Ich hab mich 'damals' gefühlt wie neu geboren!
Morgen jährt sich dann mein 1.Outing und ich möchte an dieser Stelle meiner besten Freundin dafür danken dass sie diesen Meilenstein so unfassbar leicht gemacht hat. <3

Ich habe in diesem Jahr einige Gespräche über meine sexuelle Orientierung geführt und zahlreiche Fragen beantwortet.. Aber trotzdem merke ich, dass viele immer noch nicht ganz verstehen was das alles bedeutet und wie man damit umgehen soll.
Deshalb, mein Aufruf an alle von euch denen ich wichtig bin:
REDET MIT MIR!! Stellt Fragen, setzt euch mit mir auseinander und hört auf voreilige Schlüsse zu ziehen.

Ich bin froh wenn ich offen reden darf und finds toll wenn ich meinen Mitmenschen das ganze näher bringen kann..
Und wenn es wirklich stimmt dass 1% der Weltbevölkerung sich mit einer der Orientierungen des Asexuellenspektrums identifizieren kann, dann ist es sehr wahrscheinlich dass ihr noch öfter aus "Menschen wie mich" stoßen werdet!

Also informiert euch bei mir um es dem nächsten Asexuellen in eurem Leben leichter zu machen!

Freitag, 14. April 2017

(online) dating

Im Gegensatz zu vielen meiner Mitmenschen war ich weder jemals in einer jahrelangen Beziehung noch hatte ich zahlreiche kurze Beziehungen.. Ich schieb's meistens darauf, dass ich ziemlich genau weiß, was ich will und mich nur ungern mit weniger zufrieden gebe. Ich bin wenn's um Beziehungen geht ziemlich wählerisch und bin nicht ungern Single - der Freiheit wegen.

Doch ich bin nun mal eine romantische Asexuelle und hätte gerne einen Freund.

Aber ich finde es ziemlich schwierig jemanden kennenzulernen. Da arrangierte Ehen in der westlichen Welt ein Ding der Vergangenheit sind (sorry, Mama), meine Freunde es noch nicht geschafft haben mir jemanden vorzustellen der mir gefallen hat (tzz..) und ich beim Judo alle männlichen Mitsportler mit denen ich mich bisher unterhalten habe als platonische Freunde sehe (sie mich übrigens auch!) sind meine Optionen wohl "beim Ausgehen jemanden kennenlernen" oder ONLINE DATING.

Wie's beim Ausgehen bei mir so läuft könnt ihr gerne nochmal im Blogeintrag "Dates" nachlesen... Bis auf diesen Abend habe ich nämlich schon lange keinen "potentiellen Freund" mehr beim Ausgehen getroffen.

Also: online dating.

Das klingt leichter bzw. unkomplizierter als es ist. Denn die gewöhnlichen Onlineplattformen auf denen meine Freunde sich bewegen *hust* Tinder *hust-hust* oder die Seiten die im Fernsehen beworben werden (Parship, Elitepartner,...) sind eher für die sexuelle Bevölkerung gedacht.
Ich habe mir zwar überlegt, ob ich mich bei einer davon anmelden und mich "einfach" in der Personenbeschreibung outen soll, aber ich habe dann doch zu viel Angst davor zu viele negative Reaktionen zu bekommen.
Tja. Nachdem ich das alles also abgeschrieben hatte habe ich mich auf die Suche nach solchen Plattformen für Asexuelle gemacht. Und siehe da! Es gibt ZWEI!

Eine davon stammt vom AVEN-Forum (Forum zu Asexualität).
Auf dieser habe ich mich angemeldet, die wichtigsten Dinge ausgefüllt - und weil ich gerne zu viel von mir erzähle habe ich auch noch einige ergänzende Fragen beantwortet - und dann habe ich auf "Suchen" geklickt. Die Seite sucht dann mithilfe meiner bevorzugten Eigenschaften (Nichtraucher, Körperkontakt erwünscht, gewünschte Altersspanne,...) nach einem geeigneten Partner.
Und dann?
Im Umkreis von 50km (!) gabs EIN aktives Mitglied, das meinen gesuchten Angaben entsprach.
Nachdem ich die Einstellungen zu "auch nicht perfekte Treffer anzeigen" geändert habe, waren 5 Männer innerhalb eines 60km (!) Radius gefunden. Allerdings waren 3 davon aus verschiedenen Gründen (zu alt, inaktiv,...) ZU unpassend. Unter den verbleibenden 2 ist natürlich wieder das selbe Mitglied wie bei der ersten Suche.
Na toll. Also ist meine Auswahl bei dieser Seite - wenn ich keine Fernbeziehung starten will - ziiiiemlich begrenzt.

Dann habe ich eine andere, internationale Datingseite für Asexuelle gefunden: Asexualitic
Diese Plattform finde ich optisch und praktisch sehr toll. Man kann sein eigenes Profil anlegen, sich selbst beschreiben, erklären wonach man sucht, Gruppen beitreten und Freundschaftsanfragen verschicken. Nur leider benötigt man für eine volle Mitgliedschaft ein Pay Pal Konto und meins funktioniert blöderweise nicht mehr.
Tja.
Mit der begrenzten Mitgliedschaft kann ich leider keine Mitglieder direkt anschreiben und auch keinen Gruppen beitreten.

Aber ich habe einen Weg gefunden trotzdem Menschen mit dieser Plattform kennenzulernen. Ich habe auf meinem Profil ein paar Wege aufgelistet wie man mich kontaktieren kann und bin in der Lage Freundschaftsanfragen zu verschicken. Manche Männer haben ebenfalls Konktaktmöglichkeiten aufgelistet.

Das klingt soweit alles nicht schlecht. Nur leider ist diese Plattform wie gesagt international. Und 99,5% der Männer darauf wohnen nicht in Deutschland. Und die wenigen Deutschen die diese Seite nutzen leben hunderte Kilometer entfernt oder haben so gut wie keine Gemeinsamkeiten mit mir. :(
Also auch echt uncool.

Naja. Ich habe trotzdem mit 5 Männern Kontakt aufgebaut und versucht sie besser kennenzulernen. Aber wie es scheint bin ich nicht die einzige, die keine Lust darauf hat eine Fernbeziehung aufzubauen.

Mir bleibt also momentan zu hoffen, dass ich doch noch Glück habe und jemanden online kennenlerne, der nicht zu weit weg wohnt und außerdem noch Interessen mit mir teilt oder ich ziehe nach Großbritannien oder Irland - da gibts nämlich richtig attraktive Asexuelle ;-)

Es bleibt natürlich immer noch die Möglichkeit, dass mir mein nächster Freund im echten Leben begegnet. Aber leider hat mich meine Asexualität sehr schüchtern gemacht seit ich bewusst von ihr weiß.

Fakt ist wenn sich auf dem Gebiet was entwickelt werdet ihr es hier sehr wahrscheinlich erfahren!

Montag, 27. März 2017

Auswirkungen meiner Offenheit

Als ich mit diesem Blog angefangen habe war mein Ziel die sexuelle Orientierung "Asexuell" bekannter zu machen, Verschiedenes zu erklären und Erlebnisse zu teilen.
Ich bin auch im alltäglichen Leben ziemlich offen was meine Asexualität angeht, in der Hoffnung, das Thema wird dadurch immer normaler für meine sexuellen Mitmenschen.

Ich finde es deshalb immer sehr schön zu hören oder sogar zu erleben, dass meine Offenheit mit euch und anderen Menschen in meinem Leben Auswirkungen hat.

Ein sehr schönes Beispiel möchte ich mit euch teilen.
Meine Mama war bei meinem Familienouting am meisten "geschockt". Das ist völlig okay, denn sie hatte einfach noch nie von der Existenz von Asexualität gehört und ich denke jedes Elternteil wünscht sich für sein Kind ein "normales" Leben mit so wenig Komplikationen wie möglich. Nach ein paar aufklärenden Gesprächen und meiner Art locker immer wieder was über meine Orientierung und wie's mir dabei geht zu erzählen, war sie aber wie der Rest der Familie sehr unterstützend.

Trotzdem war das Thema bisher nicht das normalste der Welt für sie und ich war ihr gegenüber (teilweise auch unbewusst) vorsichtiger als bei anderen.

Umso mehr war ich positiv überrascht als ich vor kurzem ein Wochenende bei meinen Eltern verbracht habe. Wir haben uns nämlich zusammen die ersten 3 Folgen der Serie "Sense 8" angesehen. Für alle die diese Serie noch nicht kennen ist es wichtig zu erwähnen, dass 2 der Hauptcharaktere in Beziehungen mit gleichgeschlechtlichen Partnern sind. Laut den Autoren der Serie sind aber alle 8 Hauptcharaktere pansexuell, (= sie fühlen sich romantisch und sexuell zu Menschen aller Geschlechtsidentitäten hingezogen)

Einer dieser Charaktere lehnt in der ersten Folge das Angebot zu Sex, das er von einer Frau bekommt, ab. Der Grund dafür ist, wie man später herausfindet (ACHTUNG! SPOILER!), dass er eben mit einem Mann liiert ist.
Als wir die Szene gesehen haben, in der er das Angebot zurückweist, hat meine Mama gefragt "Oh, ist er etwa asexuell?" und ich kann euch gar nicht sagen wie verdutzt ich war, dass sie an so eine Möglichkeit denkt! Natürlich kann man sie jetzt immer noch für ihr "heteronormatives Denken" verurteilen, aber alles in der Queer-Welt muss sie auch nicht gleich wissen und beachten.. ;-)

Ich war auf jeden Fall sehr gerührt, dass sie offen wäre, für so einen Charakter in einer Serie und dass sie offenbar genug über Asexualität nachgedacht hat, um so eine Vermutung zu äußern.
Danke, Mama!

Ich hoffe, dass noch mehr Menschen durch mich, Gespräche mit mir und meinen Blog offener gegenüber Asexualität und asexuellen Menschen (fiktional und real) geworden sind. Denn dann hab ich das erreicht was ich erreichen wollte. Was nicht heißt dass ich aufhören werde darüber zu reden und zu bloggen!

Mittwoch, 8. März 2017

Wünsche und Gedanken zum Weltfrauentag


Heute ist Weltfrauentag. Den gibt es um darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind und um dafür zu kämpfen dass sich dies schnell ändert.

Wichtig sind unter anderem Themen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit, mehr Frauen in Führungspositionen und dass Frauen nicht mehr als das "schwache Geschlecht" gesehen werden - wir sind nämlich genauso badass wie Männer! ;-)

Mit einem Wort: Gleichberechtigung.

Was mir und vielen anderen (Feministen) ebenfalls wichtig ist, ist das Bild der Frau wenn's um Sexualität geht. Männer die viel Sex haben werden oft gefeiert, während Frauen für die selben Aktivitäten verurteilt werden. Das ist nicht fair!
Ebenso ist es nicht fair, dass Männer die mit Sex warten wollen oder nicht so "wild auf Sex" sind wie andere ihres Geschlechts, als seltsam oder weniger "männlich" gesehen werden. Was soll das eigentlich?!

Frauen sollten offen darüber reden dürfen, dass sie Sex super finden und Männer sollten die Chance haben sich als asexuell outen zu können ohne verhöhnt zu werden.
Und ja, das ist wirklich ein großes Anliegen von mir.
Viele Männer die herausfinden, dass sie asexuell sind, haben sehr große Probleme damit mit diesem Wissen zu leben. Und das sollte nicht sein!

Ebenfalls sollte man aufhören bei der Definition von Demisexualität (= man entwickelt sexuelle Anziehung erst nachdem man eine emotionale Bindung/Beziehung zu einer Person hat) die Frage zu stellen "Ist nicht jede Frau demisexuell?" Denn das ist schlicht und ergreifend nicht wahr. Ich kenne einige Frauen, die sich beim Anblick einer attraktiven Person Sex wünschen. Aber im Gegensatz zu Männern werden sie oft schräg angeschaut wenn sie diesen Wunsch äußern.

Außerdem ist es dringend Zeit, dass Menschen aufhören andere als Sexobjekt zu sehen. Egal ob das Models in Werbekampagnen sind oder Menschen die man in Clubs oder auf der Straße sieht. Jeder hat es verdient als MENSCH gesehen zu werden und nicht als Objekt der sexuellen Begierde.
Und ich sage das nicht nur weil mir - einer asexuellen Frau - sowas besonders unangenehm ist, sondern weil niemand (!) es verdient halt aufgrund seines/ihres Aussehens oder seiner/ihrer Ausstrahlung anders behandelt zu werden.

Also, lasst uns den Weltfrauentag feiern und gemeinsam für eine bessere Welt kämpfen.

Zum Abschluss möchte ich noch einen tollen Link zum Weltfrauentag teilen:
https://pinkstinks.de/weltfrauentag-ein-tag-besonders-fuer-maenner/

Donnerstag, 2. März 2017

Bist du dir sicher, dass du asexuell bist...?

Ich hab mich vor kurzem wieder bei jemandem geoutet.
Während diesem Gespräch habe ich Dinge gesagt wie: "ich war schon immer asexuell. Aber ich wusste nicht, dass es diese Orientierung gibt, deshalb bin ich mir dessen erst seit einem knappen Jahr bewusst." Wie viele andere Menschen hat auch diese Person gefragt, ob ich mir wirklich sicher bin, dass ich asexuell bin oder ob ich diese Orientierung aus anderen Gründen gewählt habe (z.B. Angst vor Sex)

Und genau das ist eins der Probleme, die wir Asexuellen haben.. In dieser Welt gibt es schon so viele sexuelle Dinge/Darstellungen von sexuellen Handlungen, die es Asexuellen schwer machen sich "normal" zu fühlen und selbst wenn wir uns damit wohlfühlen gibt es immer Menschen, die wollen, dass wir nochmal genau darüber nachdenken und nicht glauben können, dass man mit dieser Orientierung glücklich sein kann.

Ich habe auf Tumblr vor ein paar Wochen ein sehr passendes Comic gefunden das erklärt hat wie es sein kann in dieser Welt (in der Sex sowas normales und sexuelle Anziehung für die meisten selbstverständlich ist) herauszufinden, dass man asexuell ist.
Weil ich das Comic so gut fand teile ich es heute mit euch (wieder original, übersetzt von mir)

Der Versuch herauszufinden, ob man asexuell oder aromantisch ist, kann schwierig sein, weil man die Abwesenheit von etwas finden will.
Stell dir vor, du stehst an einem Teich und du möchtest herausfinden, ob Schildkröten an diesem Teich leben.

Falls du eine Schildkröte findest - toll! Jetzt weißt du, dass da Schildkröten sind.

Aber falls du keine Schildkröten findest, kann es sein dass es an deinem Teich keine Schildkröten gibt.
Vielleicht bist du auch nur schlecht darin nach Schildkröten zu suchen.
Und vielleicht dachtest du, du hättest eine Schildkröte gesehen, aber es war doch nur ein Stock.

Vielleicht sind da nur ein paar wenige Schildkröten.
Vielleicht musst du etwas besonderes tun, um die Schildkröten zu finden.
Vielleicht sind ein paar der Steine eigentlich Schildkröten, aber du kannst sie nicht unterscheiden.
Und vielleicht sind da wirklich keine Schildkröten.
Du weißt es einfach nicht.

Und die anderen Menschen sagen:
"Da sind sicher Schildkröten, du wirst sie schon noch finden!"
"Wie viele Schildkröten hast du in deinem Teich?"
"Versuch mal Gemüse am Ufer zu pflanzen um sie anzuziehen!"
"Oh nein! Was für eine Katastrophe ist denn passiert, dass in deinem Teich keine Schildkröten leben?"

Und du stehst da nur, nass, mit einem leeren Netz und einem müden Gesichtsausdruck.

Aber egal.
Denn ob an deinem Teich Schildkröten sind oder nicht, die Ökologie deines Teichs funktioniert auch ohne sie. Denn das ist genau das, was ein Ökosystem macht - es formt ein System mit dem was vorhanden ist.

Dir fehlt überhaupt nichts, wenn du keine Schildkröten hast.
Wenn jemand versuchen würde, Schildkröten in deinen Teich zu geben, würde das vermutlich etwas vermasseln/kaputt machen.

Also: du musst nicht ganz sicher sein. Du musst nicht jeden Centimeter von deinem Teich absuchen, bevor du beschließt, dass darin keine Schildkröten zu finden sind.
Wenn du die Bezeichnung "aromantisch" oder "asexuell" verwenden möchtest, weil du denkst, dass sie zu dir passt, dann tu' das einfach.

Und wenn du doch irgendwann Schildkröten findest, kannst du deinen Teich immer umbenennen.



Also, was lernen wir aus dieser Geschichte? Wenn Menschen sich als asexuell oder sonst etwas bezeichnen wollen und sich damit wohlfühlen, dann sollen sie das tun! Kein anderer Mensch sollte versuchen Gründe zu finden, wieso diese Bezeichnung/Orientierung nicht die richtige ist.

Denn auch ich - glaubt mir - habe versucht "Schildkröten" zu finden. Aber ich habe nur Stöcke gefunden. Und viele andere tolle Tiere ;-) Und deshalb hab ich beschlossen damit glücklich zu sein.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Negativität, Hass, Ignoranz,... Wie wär's mit Offenheit?

Ich kann euch gar nicht sagen wie oft (!) Menschen schon gedacht haben, ich wäre lesbisch.
 
Viele sprechen solche Vermutungen nicht aus. Aber ich weiß, dass mehrere Leute schon sowas gedacht haben. Teilweise wegen meinen kurzen Haaren (ja, manche Menschen sind wirklich so voreingenommen!) und teilweise, weil ich mich schon länger für die Rechte der LGBTQ+ Community einsetze und öfter über solche Themen spreche als viele anscheinend von Heteros erwarten.
 
Versteht mich nicht falsch! Es gibt schlimmere Dinge als für homosexuell gehalten zu werden. Aber das ist nicht der Punkt, auf den ich hinaus will. Sondern:
Man muss nicht schwul, lesbisch, bisexuell, transsexuell oder sonst irgendwie 'queer' sein, um für die Rechte und Anerkennung/Akzeptanz dieser Menschen zu kämpfen.
 
Offenheit.
Das ist alles was man braucht um ohne Sexismus, Homophobie und Rassismus durch die Welt zu gehen. Wenn jeder einzelne Mensch offen wäre für die Vielfalt die unsere Welt zu bieten hat wäre das Leben von allen viel schöner.
 
Wir Asexuellen bekommen nicht so viel Hass ab, wie homosexuelle und transsexuelle Menschen. Aber wie beispielsweise Bisexualität wird unsere Orientierung von vielen noch nicht wirklich als solche anerkannt. Einige denken, dass Menschen die keine sexuelle Anziehung spüren krank oder unreif sind; dass irgendwelche traumatischen Erlebnisse schuld dafür sind oder das alles "nur eine Phase" ist. Aber wie ich schon von Anfang an in diesem Blog deutlich gemacht habe bin ich gesund und trauma-frei.
 
Ich kann die Gedanken von sexuellen Menschen irgendwie nachvollziehen... Für sie ist meine Erklärung 'ich verspüre kein Bedürfnis nach Sex' vermutlich so wie wenn mir (einem totalen Batman-Fan) jemand erklärt er/sie mag Batman überhaupt nicht.
Aber auch wenn ich nicht verstehe wie man meinen Lieblingshelden nicht mögen kann, akzeptiere ich die Gefühle und Meinungen dieser Personen.
 
Wieso kann sich nicht jeder so verhalten? Solange jemand mit seinen Eigenschaften/Verhalten (seien es Vorlieben, sexuelle Orientierungen oder sonst etwas) keinem anderen Menschen schadet, kann man dieser Person doch einfach ihr Leben lassen. Oder??
 
Offenheit.
Dieses Wort verfolgt mich nun schon seit Wochen... Und weil es mich nicht loslässt werde ich es verbreiten und versuchen, es in die Köpfe vieler meiner Mitmenschen zu pflanzen.
Vielleicht schaffe ich es ja damit zumindest ein paar wenigen die Augen zu öffnen. :)
 

Bildquelle:
http://www.ncourtenaychurchofchrist.com/wp-content/uploads/2015/01/open-minded-2.jpg

Freitag, 20. Januar 2017

Dates

Vor ein paar Tagen hatte ich mein erstes 1.Date seit ich weiß dass ich asexuell bin.

- Ich nenne den Typen im Folgenden Alex, obwohl das nicht sein richtiger Name ist -

Alex war beim kennenlernen sehr sympathisch und ich habe mich sehr darauf gefreut mehr über ihn zu erfahren. Wir trafen und zum Frühstück und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Auch mit der körperlichen Nähe zu ihm hatte ich keine Probleme und fand sie sehr schön.
Nach einer Weile machte er aber ein paar Kommentare und Annäherungsversuche, die mir schnell zu viel wurden. Ich bin kurze Zeit später nach Hause gefahren.

Auf dem Heimweg hatte ich gemischte Gefühle. Ich fand Alex sehr sympathisch und interessant, aber war mir nach den Annäherungen nicht sicher was genau seine Absichten waren. Ich habe daraufhin beschlossen mich beim 2.Date zu outen, damit er sofort weiß womit er bei mir rechnen kann und was nicht möglich ist.

Aber so wie ich nunmal bin habe ich noch am selben Tag nach Geschichten anderer Asexueller gesucht, die sich in der selben Situation befanden um zu sehen ob das 2. Date nicht doch zu früh ist für ein Outing. Was ich fand waren vor allem Geschichten Sexueller, welche ihre Erfahrungen mit Asexuellen beschrieben haben. Daraus ging hervor, dass sich viele gewünscht hätten und auch in Zukunft wünschen würden so früh wie möglich die Wahrheit zu erfahren. Viele davon haben kurz darauf allerdings den Kontakt zu den asexuellen potentiellen Partnern abgebrochen, weil für sie ein Leben ohne (regelmäßigen) Sex nicht vorstellbar war.

Ich hatte nach dieser "Recherche" Angst Alex abzuschrecken und durch ein Outing zu verlieren, aber meine Abneigung gegen sexuelle Anspielungen war zu groß um länger zu warten.
Also habe ich nervös das nächste Treffen abgewartet. Jedoch kam sowieso alle nicht so wie ich es geplant hatte..

Alex arbeitet nämlich 5x die Woche Nachtschicht.. Tagsüber schläft er meistens und hat nicht besonders viel Zeit für... nennen wir es mal 'soziale Kontakte' ;)
Ich war offen dafür ihn auch nur für 1 Stunde oder so zu treffen, Hauptsache wir sehen uns und ich kann mit ihm über alles reden.
Mein Vorschlag für ein Treffen war "Kaffee trinken gehen". Seine Vorschläge gingen alle in Richtung "Ich komm nach meiner Schicht zu dir!" Da ich aber in einer 1-Zimmer Wohnung lebe bedeutet "bei mir" immer Bettnähe. Und das war mir dann doch zu riskant.

Ich habe also weiterhin versucht ihn auf "neutralem Boden" zu treffen. Plötzlich wollte er das Treffen absagen, weil ich mich nicht auf seine Vorschläge eingelassen habe. Um ihm zu erklären wieso ich mich nicht bei mir oder bei ihm treffen wollte, habe ich ihm gesagt, dass ich mir nicht mehr sicher bin was seine Absichten mir gegenüber sind und mich das nervös macht.
Seine folgende Reaktion hat mich sehr, sehr geschockt und abgeschreckt: Er nannte mich "voreingenommen" und meinte er hätte es nicht nötig mich unter Vorwand zu ihm zu locken um mich - wortwörtlich - "zu ficken".

Ja, genau.
So schnell kann man sich bei mir unbeliebt machen.

Für mich war damit eigentlich alles vorbei. Wer solche Wörter so einfach in den Mund nimmt und sie mir an den Kopf wirft ist sowieso kein Mensch mit dem ich mir eine Zukunft vorstellen kann.

Das ganze war dann 2 Tage später tatsächlich vorbei, da er mir auch keine Chance mehr gegeben hat meine Unsicherheit zu erklären und er durchgehend schlecht gelaunt war.

Keine Sorge, Menschen die jetzt vielleicht denken ich bin todtraurig, jemand wie Alex ist es eindeutig nicht wert mich als Menschen besser kennen lernen und ich bin froh dass ich eine meiner intimsten Eigenschaften nicht mit ihm geteilt habe.

Ich werde weiterhin suchen/warten bis ich jemanden vor mir habe, der mich und meine Persönlichkeit liebt und mit meiner sexuellen Orientierung klar kommt.

Und wann ich mich dann oute kommt auf den Moment an und wie ich die Person einschätze.
Ihr könnt euch jedenfalls sicher sein dass ich darüber schreiben werde, wenn ich mich einem Mann gegenüber oute ;)

Wenn ihr wollt würde ich mich über Kommentare freuen in denen ihr mir erzählt welchen Zeitpunkt ihr für ein solches Outing wählen würdet!
Danke :)